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Welche Deckungssumme braucht ein Elektriker in der Haftpflicht?

Elektriker am Verteilerschrank prüft Werte auf dem Tablet

Eine falsch gewählte Deckungssumme fällt dir erst auf, wenn der Schaden schon da ist. Du arbeitest an Anlagen, die Brände auslösen, Menschen verletzen und eine ganze Produktion stilllegen können. Deshalb entscheidet die Höhe deiner Deckungssumme darüber, ob deine Betriebshaftpflicht im Ernstfall trägt oder ob du mit deinem Privatvermögen geradestehst.

Wie hoch sollte die Deckungssumme bei einem Elektriker mindestens sein?

Als Richtwert gilt eine pauschale Deckungssumme von mindestens 5 Mio. €. „Pauschal“ heißt: Eine einzige Summe steht für alle abgedeckten Schadenarten zur Verfügung, ohne dass du für jede Art einen eigenen Topf bekommst. Damit bist du für den Alltag im Elektrohandwerk solide aufgestellt. Sobald du in sensiblen Bereichen arbeitest, steigt der empfohlene Wert auf 10 Mio. €.

Diese Schadenarten stecken hinter einer pauschalen Deckungssumme:

  • Personenschäden, wenn jemand durch deine Arbeit verletzt wird oder zu Tode kommt
  • Sachschäden, wenn Gebäude, Maschinen oder Einrichtung beschädigt werden
  • Vermögensschäden, wenn aus einem dieser Schäden ein finanzieller Ausfall entsteht

Diese Betriebe sollten direkt zu 10 Mio. € greifen:

  • Photovoltaikmontage und Arbeiten auf Dächern großer Hallen
  • Industrieanlagen mit teurer Maschinentechnik und langen Ausfallzeiten
  • Aufträge für die öffentliche Hand, etwa an Schulen oder in Kliniken

Warum treiben Personenschäden die nötige Deckungssumme so nach oben?

Ein Sachschaden hat eine Obergrenze, denn eine Maschine kostet, was sie kostet. Ein schwerer Personenschaden hat diese Grenze nicht. Verletzt sich ein 30-jähriger Familienvater durch einen Stromschlag so schwer, dass er berufsunfähig wird, zahlt deine Versicherung nicht nur die Behandlung. Sie zahlt auch eine Rente, oft über Jahrzehnte, weil der Mann seinen Verdienst verliert.

Diese Posten summieren sich bei einem einzigen Personenschaden über die Jahre:

  • lebenslange Verdienstausfallrente für den Geschädigten
  • Kosten für Reha und dauerhafte Pflege
  • Umbau der Wohnung und behindertengerechte Ausstattung
  • Schmerzensgeld sowie Ansprüche der Sozialversicherung

Rechnest du eine monatliche Rente über 40 Jahre hoch, landest du schnell im einstelligen Millionenbereich. Eine Deckungssumme von 5 Mio. € ist deshalb keine Übertreibung, sondern die untere Kante dessen, was ein solcher Fall auffrisst.

Was unterscheidet die pauschale Deckungssumme von den Sublimits?

Die pauschale Deckungssumme ist die große Obergrenze für den gesamten Vertrag. Innerhalb dieser Summe kürzen viele Versicherer bestimmte Schadenarten auf einen niedrigeren Betrag herunter. Diese Kürzung heißt Sublimit. Deine Police kann 5 Mio. € pauschal bieten und trotzdem für Bearbeitungsschäden nur 15.000 € zahlen, weil dort ein Sublimit greift.

Diese Sublimits solltest du in deinem Vertrag prüfen:

  • Bearbeitungsschäden: Schäden an Sachen, an denen du gerade arbeitest, etwa der Verteilerschrank, den du gerade verdrahtest
  • Tätigkeitsschäden: Schäden, die durch deine Arbeit an fremden Sachen ringsum entstehen
  • Leitungsschäden: beschädigte Kabel, Rohre oder Leitungen im Boden oder in der Wand
  • Schlüsselverlust: Verlust fremder Schließanlagen, deren Austausch fünfstellig werden kann

Eine hohe pauschale Summe nützt dir wenig, wenn genau die Schadenart, die dich als Elektriker trifft, durch ein niedriges Sublimit gedeckelt ist.

Warum ist ein hohes Sublimit für Bearbeitungsschäden für dich so wichtig?

Fast jeder Auftrag im Elektrohandwerk ist ein Bearbeitungsvorgang. Du legst die Hand an fremde Anlagen, misst, klemmst um, tauschst Bauteile. Geht dabei etwas kaputt, ist das ein klassischer Bearbeitungsschaden. Viele Standardtarife kürzen genau hier auf 1.500 € bis 15.000 €, und das reicht bei teurer Anlagentechnik hinten und vorne nicht.

Für dich als Elektriker gilt beim Sublimit für Bearbeitungsschäden ein Richtwert von 100.000 € und mehr. Achte zusätzlich darauf, dass Schäden durch Prüfen und Messen ausdrücklich eingeschlossen sind, denn dieser Punkt fehlt in vielen günstigen Verträgen.

Was kostet dich eine höhere Deckungssumme wirklich?

Viele Betriebe wählen aus Sparsamkeit eine kleine Summe und liegen damit falsch. Der Sprung von 5 Mio. € auf 10 Mio. € kostet dich meist nur einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz, oft einige Euro im Monat. Der Grund ist einfach: Millionenschäden treten selten ein, also fällt der Aufschlag für den Versicherer gering aus.

So verteilt sich das Verhältnis von Beitrag und Schutz:

  • Der größte Teil deines Beitrags bezahlt die vielen kleinen Schäden im Alltag
  • Der Aufschlag für die Verdopplung der Deckungssumme fällt kaum ins Gewicht
  • Genau die seltenen Großschäden ruinieren dich ohne ausreichende Summe

Du kaufst dir mit wenigen Euro im Monat die Ruhe, im Millionenfall nicht privat zu haften. Diese Rechnung geht fast immer zu deinen Gunsten auf.

Welche Deckungssumme passt zu deiner Betriebsart?

Diese Übersicht zeigt dir, welche Werte zu deinem Betrieb passen:

BetriebsartEmpfohlene pauschale DeckungssummeWichtige Sublimits
Elektroinstallation im Wohnbau5 Mio. €Bearbeitungsschäden ab 100.000 €, Leitungsschäden eingeschlossen
Gewerbe und Ladenbau5 Mio. €Tätigkeitsschäden hoch, Schlüsselverlust ab 25.000 €
Photovoltaik und Speicher10 Mio. €Bearbeitungsschäden ab 250.000 €, Feuerschäden am Dach
Industrie und Maschinenbau10 Mio. €Bearbeitungsschäden hoch, Ausfall der Produktion mitversichert
Öffentliche Hand und Kliniken10 Mio. €Vermögensschäden hoch, Prüfen und Messen eingeschlossen

Ordne deinen Betrieb ehrlich der Zeile zu, die deinen größten Auftrag beschreibt, nicht deinem Durchschnitt. Ein einziger großer Industriekunde verschiebt deinen Bedarf sofort nach oben.

Wie sieht ein teurer Schadenfall in der Praxis aus?

Ein Elektrobetrieb verdrahtet die neue Unterverteilung in einer Lebensmittelproduktion. Eine Klemme sitzt nicht fest, in der Nacht entsteht ein Schwelbrand, die Kühlkette bricht zusammen. Der Sachschaden an Anlage und Ware liegt bei 180.000 €. Weil die Produktion drei Wochen stillsteht, kommt ein Vermögensschaden von weiteren 240.000 € dazu. Die Rechnung erreicht 420.000 €.

So wirkt sich die richtige Absicherung in diesem Fall aus:

  • Mit 10 Mio. € pauschal und hohem Bearbeitungsschaden-Sublimit trägt die Betriebshaftpflicht die vollen 420.000 €
  • Mit einem Sublimit von nur 15.000 € bleibst du auf dem größten Teil der Bearbeitungskosten sitzen
  • Ohne ausreichende Summe zahlst du die Differenz aus dem Betriebsvermögen und haftest notfalls privat

Kommt bei einem solchen Brand noch ein verletzter Mitarbeiter des Kunden dazu, steigt die Summe schnell in den siebenstelligen Bereich. Dann trennt allein deine Deckungssumme den Ärger vom Ruin.

Willst du wissen, welche Deckungssumme und welche Sublimits zu deinem Betrieb passen? Fordere jetzt dein kostenloses Angebot anfordern.

Johannes Haumann
Über den Autor

Johannes Haumann

Johannes betreut Elektrobetriebe von der Gründung bis zum Betrieb mit mehreren Kolonnen. Sein Schwerpunkt liegt auf Haftpflichtkonzepten für das Elektrohandwerk mit Photovoltaik, Speichern und Gebäudetechnik. Er prüft bestehende Verträge auf Lücken und stellt für jeden Betrieb den passenden Schutz zusammen.

j.haumann@covago.de +49 (0) 821 89 98 27-17
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