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Wie sind Leitungsschäden beim Elektriker versichert?

Elektriker prüft ein durchtrenntes Erdkabel im Baugraben

Der Bagger senkt sich in den Graben, die Schaufel greift, und plötzlich fällt in der halben Straße der Strom aus. Ein fremdes Erdkabel, unerwartet flach verlegt, hängt zerfetzt an den Zähnen. Solche Leitungsschäden gehören zu den teuersten Momenten im Elektroalltag, und ob deine Betriebshaftpflicht sie trägt, entscheidet sich lange vor dem ersten Spatenstich.

Was genau ist ein Leitungsschaden beim Elektriker?

Ein Leitungsschaden ist die Beschädigung einer bereits verlegten Leitung, die nicht dir gehört und an der du eigentlich gar nicht arbeiten wolltest. Du triffst sie zufällig, weil sie im Boden, in der Wand oder über dem Grundstück verläuft und du beim Graben, Bohren oder Schlitzen ihre genaue Lage nicht kanntest. Versicherer behandeln diese Fälle als eigene Kategorie, weil hier ein einzelner Handgriff eine Kettenreaktion auslösen kann.

Betroffen sind längst nicht nur Stromkabel. Diese Leitungsarten liegen dir bei der Arbeit im Weg:

  • Erdverlegte Stromkabel im Graben und am Hausanschluss.
  • Frei- und Oberleitungen, die du beim Aufstellen von Gerät oder Gerüst berührst.
  • Wand- und bodenverlegte Kabel hinter Putz und unter Estrich.
  • Wasser- und Gasleitungen, die parallel zur geplanten Trasse laufen.
  • Datenleitungen aus Kupfer und Glasfaser für Telefon, Netzwerk und Internet.

Warum zählt ein Leitungsschaden zu den Bearbeitungs- und Tätigkeitsschäden?

Der Tätigkeitsschaden ist der Oberbegriff für jeden Schaden, der aus deiner Arbeit an oder mit einer fremden Sache entsteht. Der Leitungsschaden ist ein Sonderfall davon, weil deine Tätigkeit die fremde Leitung trifft, obwohl sie selbst nicht dein Auftragsgegenstand war. Genau diese Nähe zu deinem Werkzeug macht ihn heikel, denn die üblichen Ausschlüsse für Tätigkeits- und Bearbeitungsschäden greifen hier ebenso.

Deshalb reicht es nicht, wenn deine Police allgemein Sachschäden abdeckt. Eine durchtrennte Leitung fällt oft aus der Grunddeckung heraus und braucht eine ausdrückliche Regelung. Steht dazu nichts oder nur ein Ausschluss in den Bedingungen, bleibst du im Ernstfall auf der Rechnung sitzen.

Welche Leitungsschäden passieren im Elektroalltag am häufigsten?

Diese Fälle landen bei Elektrikern regelmäßig auf dem Tisch des Versicherers:

  • Beim Erdaushub für den Hausanschluss durchtrennst du ein fremdes Mittelspannungskabel, und ein ganzer Straßenzug sitzt im Dunkeln.
  • Beim Schlitzen für eine neue Steckdose triffst du das Wasserrohr in der Wand, und die Feuchtigkeit zieht in zwei Etagen.
  • Beim Setzen der Kernbohrung erwischst du das Gasrohr, und die Baustelle wird geräumt.
  • Beim Bohren im Boden reißt du die verlegte Glasfaserleitung, und die Praxis über dir hat keine Anbindung mehr.
  • Beim Aufstellen der Hebebühne kommst du der Oberleitung zu nah, und der Lichtbogen zerstört die Anlage.

Auffällig ist das Muster: In fast jedem Fall entsteht der teure Teil nicht am Kabel selbst, sondern an dem, was danach ausfällt.

Warum sind die Folgekosten oft höher als die Reparatur der Leitung?

Eine durchtrennte Leitung ist schnell gespleißt oder ersetzt, und das Material kostet oft nur einen dreistelligen Betrag. Teuer wird der Ausfall, der daran hängt. Fällt bei einem Bäcker der Strom aus, verdirbt die Ware und die Produktion steht. Reißt eine Datenleitung, arbeitet ein ganzes Büro nicht mehr, und Onlineshops verlieren mit jeder Stunde Umsatz. Der Netzbetreiber verlangt zusätzlich Ersatz für die Störung im gesamten Versorgungsgebiet.

So verschiebt sich das Verhältnis. Für die Reparatur zahlst du vielleicht 800 Euro, für den Vermögensschaden durch den Versorgungsausfall schnell das Zwanzigfache. Genau diese Folgeschäden sind es, die kleine Sublimits sprengen und die deine Deckung tragen muss.

Warum schließen viele Standardtarife Leitungsschäden aus oder deckeln sie niedrig?

Wer im Erdreich und in Wänden arbeitet, trifft fremde Leitungen mit einer gewissen Regelmäßigkeit, und die Schäden erreichen schnell hohe Summen. Für Versicherer ist das ein teures, gut kalkulierbares Risiko. Günstige Standardtarife reagieren darauf, indem sie Leitungsschäden ganz ausnehmen oder auf ein kleines Sublimit begrenzen. Häufig liegt diese Grenze zwischen 10.000 und 25.000 Euro, während die eigentliche Versicherungssumme für Sachschäden mehrere Millionen beträgt.

Für einen Elektrobetrieb ist das eine gefährliche Lücke. Ein Versorgungsausfall im Gewerbegebiet oder ein Glasfaserabriss im Rechenzentrum kostet oft ein Mehrfaches dieses Limits, und den Rest zahlst du selbst. Genau deshalb lohnt der Blick ins Kleingedruckte mehr als der Vergleich der Jahresbeiträge.

Worauf solltest du bei den einzelnen Leitungsarten im Tarif achten?

Die folgende Tabelle ordnet dir die typischen Leitungsarten, den passenden Schadenfall und den entscheidenden Punkt im Tarif zu:

LeitungsartTypischer SchadenWorauf im Tarif achten
Erdverlegtes StromkabelBeim Aushub durchtrennt, Straßenzug ohne StromErdleitungsschäden eingeschlossen, Folgekosten für Versorgungsausfall gedeckt
Frei- und OberleitungBeim Aufstellen von Gerät berührt, Anlage zerstörtSchäden an Freileitungen nicht ausgeschlossen
Wand- und bodenverlegtes KabelBeim Schlitzen oder Bohren getroffenWandverlegte Leitungen ausdrücklich mitversichert
Wasser- und GasleitungWasserrohr durchbohrt, Feuchteschaden im BauSchäden an fremden Ver- und Entsorgungsleitungen gedeckt
Datenleitung aus GlasfaserBeim Bohren gerissen, Büro ohne AnbindungVermögensschaden durch Datenausfall abgedeckt

Wie hoch sollte dein Sublimit für Leitungsschäden sein?

Als Untergrenze empfehle ich dir ein Sublimit von mindestens 100.000 Euro. Für Betriebe, die viel im Erdreich und an Versorgungsleitungen arbeiten, ist das eher der Einstieg als das Ziel. Sobald Datenleitungen, Gewerbe oder Versorger ins Spiel kommen, brauchst du deutlich mehr Spielraum, weil ein einzelner Ausfall die kleine Grenze im Handumdrehen überschreitet.

Diese Werte helfen dir bei der Einordnung:

  • Wohnbau und kleine Sanierung ohne Erdarbeiten: ab 100.000 Euro Sublimit.
  • Regelmäßiger Erdaushub und Arbeiten an Hausanschlüssen: 250.000 Euro und mehr.
  • Gewerbe, Datenleitungen und Netzbetreiber: 500.000 Euro aufwärts, im Zweifel volle Versicherungssumme.

Prüfe außerdem, ob das Sublimit je Schadenfall oder je Versicherungsjahr gilt. Ein Limit, das nach dem ersten großen Schaden für den Rest des Jahres aufgebraucht ist, hilft dir beim zweiten Bagger im Herbst nicht mehr weiter.

Warum ist die Leitungssuche vor Arbeitsbeginn deine wichtigste Pflicht?

Ein Versicherer erwartet, dass du vor dem Graben und Bohren weißt, was im Boden und in der Wand liegt. Wer die Planauskunft der Versorger einholt und die Trasse mit einem Ortungsgerät absucht, handelt sorgfältig. Wer einfach drauflos baggert, riskiert den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit, und dann kürzt der Versicherer die Leistung oder verweigert sie. Deine Deckung nützt nur, wenn du diese Pflicht ernst nimmst.

Arbeite vor jedem Aushub und jeder tiefen Kernbohrung diese Punkte ab:

  1. Hole die Planauskunft bei den zuständigen Versorgern für Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation ein.
  2. Suche die geplante Trasse mit einem Kabelsuch- und Ortungsgerät ab und markiere die Fundstellen.
  3. Öffne kritische Bereiche von Hand statt mit dem Bagger, sobald du in die Nähe einer Leitung kommst.
  4. Dokumentiere die Ergebnisse mit Fotos, damit du deine Sorgfalt im Schadenfall belegen kannst.
  5. Weise deine Mitarbeiter ein, sodass auch der Kollege am Gerät die Fundstellen kennt.

Diese wenigen Schritte kosten dich eine halbe Stunde und schützen dich vor Schäden, die in die Zehntausende gehen. Sie sind zugleich dein bester Beleg gegenüber dem Versicherer, dass du alles Zumutbare getan hast.

Wie prüfst du deinen bestehenden Vertrag auf diese Lücke?

Nimm dir deine aktuelle Police und geh sie in dieser Reihenfolge durch:

  1. Suche in den Bedingungen nach den Stichworten „Leitungsschäden“, „Erdleitungen“ und „Tätigkeitsschäden“.
  2. Notiere das genannte Sublimit und vergleiche es mit dem, was ein Versorgungsausfall in deinem typischen Umfeld kostet.
  3. Lies den Ausschlusskatalog, denn dort verstecken sich die entscheidenden Einschränkungen häufiger als im Deckungsteil.
  4. Prüfe, ob Folgekosten durch Versorgungs- und Datenausfall ausdrücklich mitversichert sind.
  5. Halte offene Fragen fest und lass deinen Vertrag von jemandem gegenlesen, der Elektrobetriebe kennt.

Wenn du bei einem der Punkte ins Grübeln kommst, ist das ein deutliches Zeichen. Viele ältere Verträge stammen aus einer Zeit mit kleineren Aufträgen und passen längst nicht mehr zu dem, was du heute im Boden und an fremden Leitungen anfasst. Als ungebundener Versicherungsmakler nach § 34d GewO prüfen wir deinen Bestandsvertrag auf genau diese Lücken und zeigen dir, welcher Tarif deinen Elektrobetrieb bei Leitungsschäden sauber absichert. kostenloses Angebot anfordern

Melanie Schaser
Über den Autor

Melanie Schaser

Melanie begleitet Elektrobetriebe von der ersten Anfrage bis zur Regulierung im Schadenfall. Sie kennt die Anforderungen im Handwerk und sorgt dafür, dass im Ernstfall alles schnell und sauber läuft.

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